Der Tagesspiegel - Konzertkritik v. 11. Juli 2006
Töne wie Tropfen
Unwetter? Ach was! Die alte Dame, die durchnässt zum Glashaus des Botanischen Gartens stapft, hat schon anderes erlebt. Drinnen kleben Dauerwellen und Kleider an Körpern und Köpfen, barfuss watet man zwischen Wasserfällen aus undichten DachsteIlen zu den wenigen freien Plätzen. Das Auditorium ist trotz des Gewitters am Samstag fast voll. Eine klare Willenserklärung des Publikums, die sich nicht ignorieren lässt. Nachdem der Pianist seine Skepsis ob der Wasserlache neben dem Flügel überwunden hat, legt das Akanthus Ensemble, ein Klaviertrio aus Mitgliedern des Deutschen Symphonie Orchesters, los. Und es zeigt sich: der Botanische Garten hat als Musikveranstalter einen grünen Daumen.
Das Programm mit Musik aus der Achse Paris-Moskau ist populär und rar zugleich, die thematisch-biographischen Querbezüge erläutert Violinist Karsten Windt in knapper und lockerer Moderation. Zu entdecken gibt es etwa die sommerlich-entspannten Trio-Miniaturen des aus Moskau stammenden Spätromantikers Paul Juon (1872 - 1940), der übrigens lange als Kompositionsprofessor in Berlin wirkte. Anton Arenskys Opus 32 kauft man den Interpreten sogar als Meisterwerk der spätromantischen Klaviertriokunst ab; die von Verve und lockerer, aber nie fahrlässiger Spielfreude und Ausrucksbereitschaft geprägte Interpretation wird zum Höhepunkt des Abends...